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LebensWert | Tagebuch | Jakobsweg 2010

Aus den täglichen SMS der Teilnehmerin Dorothée

06.04.2010

Wir sitzen im Bus. Die Flüge waren toll: Ruhig und klare Sicht. Die Gegend und das Wetter hier sind super. Freue mich aufs Abendessen.

07.04.2010

Ich bin nass aber glücklich in Orisson angekommen. Bayonne ist eine nette Stadt. Ich hoffe, dass morgen wieder schöneres Wetter ist.

08.04.2010

Bin seit zwei Uhr in Roncesvalles und habe ein schönes Bett im großen Refugio. Habe die Tour gut geschafft. Es hat nicht geregnet, war aber oft sehr neblig und kalt. Gehe jetzt in die Kirche und dann ins Café.

09.04.2010

Heute war ein einmalig schöner Tag. Bin gut und glücklich in Zubiri angekommen, sitze noch mit meinen Sistern am Fluss in der Sonne. Die Nacht mit den 120 Pilgern war ok.

10.04.2010

Bin 11km vor Pamplona.beim Picknick am Fluss. Ganz herrlich. Übernachte heute in Pamplona, Herberge ist schon reserviert. Wandere meistens mit zwei Frauen, treffe die anderen meist abends. Ich bin froh, dass ich hier bin. Morgen werden wir in Obanos in der Herberge Juan Irisarri schlafen. Heute haben wir ein Dreibettzimmer. Jupii!

11.04.2010

Es ist urig hier. Wir sind heute 25 km gelaufen! Aber wir verstehen uns sehr gut und lachen unheimlich viel, auch eben beim Abendessen.

12.04.2010

Wir schlafen heute in Los Arcos in der österreichischen Herberge Albergue de la Fuente, anderer Name: Casa de Austria.

13.04.2010

Schlafe heute in Navarrete im El Cantaro.

14.04.2010

Ich fühle mich immer noch froh und zufrieden, habe Gott-sei-Dank keine Blasen oder andere Blessuren, das Wetter ist ideal, die Sister nett. Gleich gehts los.

Bin in der Albergue municipal in Azofra mit brennenden Füßen angekommen. Denke, dass ich gut schlafen werde, weil es hier nur Doppelzimmer gibt.

15.04.2010

Hier ist die Zeit stehen geblieben. Die 23 km waren nicht schwer und die Füße brennen kaum. Ich schlafe im Matratzenlager auf dem Boden, auf dem Kirchendach. Wir kochen und essen heute Abend zusammen. Mal sehen, wie wir schlafen. Ich bin in Granon, hinter Santo Domingo.

16.04.2010

Ich bin seit heute Mittag allein, habe es aber super angetroffen, bin in Espinosa bei Pepe, der für uns kocht. In Grañon war es erlebnisreich. Mal sehen, wie weit ich morgen komme.

17.04.2010

Sitze im Regen in Agés in der Herberge. Morgen komme ich nach Burgos, weiß noch nicht, wo ich dort schlafe.

18.04.2010

Ich habs bis Burgos geschafft! Die Herberge ist toll und kostet nur 3 Euro! Heute Abend gehe ich essen und um 19.30 in die Pilgermesse in die Kathedrale. In der Zwischenzeit ruhe ich mich etwas aus und besichtige die Stadt.

19.04.2010

Im Augenblick mache ich Pause bei herrlichem Sonnenschein. Das Wetter wurde immer besser. Gleich aus der Herberge mehr!

Heute war Holland-Wetter und Landschaft wie in Wittenberge. Bin stundenlang gewandert, ohne einen Menschen gesehen zu haben. Der Tag hat mir gefallen. Bin jetzt untergekommen in der Herberge von Calzadilla de la Cueza, bin heute ein Stück mit dem Bus gefahren.

20.04.2010

Ich bin da gelandet, wo ich hin wollte! Die großen Städte habe ich jetzt hinter mir. Ab morgen gehts wieder nur zu Fuß, hoffentlich bis Santiago. Heute war super Wander-Wetter, bin sehr gut voran gekommen. Bin jetzt hinter Léon, in Virgen del Camino in der Herberge von Don Antonio. Mache mich gleich zum Essen stadt-fein.

21.04.2010

Bin schon in der Herberge San Miguel in Hospital de Orbigo, habe es wieder gut angetroffen und meinen Wander-Rekord eingestellt: Knapp 30 km!

22.04.2010

War heute wieder gut drauf, scheine richtig eingelaufen zu sein. Etappe war sehr schön, immer Schnee bedeckte Berge vor Augen. Bin sehr zufrieden, auch mit Unterkunft im El Caminante in Santa Catalina de Somoza. Gehe jetzt duschen und Wäsche waschen.

23.04.2010

Habe heute eine kurze Etappe gemacht. War toll, blauer Himmel, wild romantische Gegend, keine Menschen getroffen. Bin auf ca. 1500 m Höhe in Foncebado in der Herberge Monte Irago. Die meisten Häuser sind verfallen, man hat drei wieder aufgebaut und einige Menschen leben jetzt wieder hier. Morgen komme ich zum Cruz de Ferro und lege meinen Stein ab.

24.04.2010

Ich bin auf dem Weg nach Ponferrada und fühle mich so gut, dass ich es kaum beschreiben kann.

Heute fühle ich mich zum ersten Mal wie im Urlaub: Der Weg war wunderbar genauso wie die spanische Sonne. Der Ort Molinaseca ist sehr hübsch, so dass ich nur bis hierher gegangen bin. Jetzt sitze ich am Fluss. Meine Herberge heißt Santa Marina und ist auch toll.

25.04.2010

Der Sonntag war sehr anstrengend: Viele km auf der schattenlosen Straße bei 26 Grad. Weil die Herberge hier in Cacabelos geschlossen hat, bin ich in der Nähe der Kirche in ein Hostal gegangen und habe nun reinen Luxus für 22 Euro: Einzelzimmer mit Bad! Ich hätte es nicht mehr bis zur nächsten Stadt geschafft. Mein Hostal heißt El Molino. Hier gibts immer Rotwein zum Essen! Gut für die Muskeln!

26.04.2010

Habe den Camino duro gut überstanden und sogar genossen: traumhaft schöne Landschaft und Vegetation. Danach bin ich noch Straße gegangen bis Ruitelan, Herberge Pequeño Potala. Morgen gehts wieder über mehrere Pässe.

27.04.2010

Bei meiner heutigen 4-Pässe-Tour habe ich es langsam angehen lassen, bin auch schon in der Herberge Reboleira in Fonfria. Die Tour war sehr schön. Noch kein galizischer Nebel, dafür Sonne! Hoffentlich halten meine Schuhe durch: Am linken Schuh scheint sich die Sohle zu lösen.

28.04.2010

Ich habe das Gefühl, ich bin im 5-Sterne-Hotel! Die private Herberge war voll, in die Klosterherberge wollte ich nicht, also bin ich jetzt in Samos im Licerio und es gefällt mir sehr. Gleich gehe ich zu den Mönchen in die Kirche.

29.04.2010

Habe mir gerade neue Schuhe gekauft und mit Karte bezahlt; hoffe, es geht gut mit den Schuhen. Werde gleich auch noch Geld abheben. Letzte Nacht war super. Melde mich heute Abend wieder.

Hatte heute einen Glückstag: Schönes Wetter, nette Leute, gute Bar zur Mittagspause, neue Schuhe, die gut aussehen, passen und nicht drücken, eine prima Unterkunft. Ich bin äußerst zufrieden und dankbar. Ich schlafe in Rente im Nova de Rente, kurz hinter Barbadelo.

Hatte auch noch einen sehr netten Abend mit einer Pilgerin aus Eschweiler. Gehe jetzt schlafen.

30.04.2010

Ein letztes Wort zu meinen neuen Schuhen: Sie sind bequemer, leichter, drücken nicht, Füße brennen viel weniger; heute schien keine Sonne, deshalb konnte ich wieder recht viel laufen. Landschaft sehr schön, viele Wege durch Wälder, Felder, Wiesen. Schlafe heute in Gonzar in der Casa Garcia. Ist ordentlich und sauber.

Habe wieder einen tollen Abend mit leckerem Essen und sehr netten Frauen aus Norwegen.

01.05.2010

Ich bin heute in - nicht bei - Casanova in der Herberge A Bolboreta gelandet. Ist ganz toll, Vierbett-Zimmer mit eigenem Badezimmer! Die Etappe heute war ganz wunderbar: Herrliche Landschaft, üppige Vegetation - habe zum 1. Mal Eukalyptus-Wälder gesehen -, zauberhafte Hohlwege. Man könnte ständig fotografieren!

Bisher hat es mir immer gut geschmeckt. Gestern habe ich Seehecht gegessen und war davon sehr angetan.

02.05.2010

Heute war ideales Wanderwetter. Die Strecke war auch wieder schön: Die Landschaft hat teilweise ans Allgäu erinnert, grasende Kühe mit Glocken. Der Wald ist zurzeit eine Pracht: zahllose Grüntöne, ist nicht zu beschreiben! Bin heute bis Arzua gekommen ins Ultreia. Gefällt mir gut. Letzte Übernachtung war super.

03.05.2010

Bin wieder viel gewandert, bin in einem Vorort von Santiago, in Lavacolla im Hostal San Paio. Ich befürchte, die Zeit der preiswerten Übernachtungen ist erstmal vorbei. Bemühe mich aber weiter darum.

Heute war bestes Wanderwetter, die wenigen Regentropfen störten nicht. Die Etappe am Vormittag war idyllisch: Kleine Weiler, schöne Wald-, herrliche Hohlwege, als Geräusche nur Wind, Bäche, Vogel, andere Tiere. Nachmittags wurden die Wälder höher, dunkler, geheimnisvoller, unheimlicher. Kein Pilger war mehr zu sehen. Weiß nicht, wo die vielen vom Morgen geblieben sind. Bin bis Lavacolla gegangen.

04.05.2010

Bin wirklich in Santiago! Kann es noch nicht fassen. Ich melde mich heute Abend wieder.

Ich gehe um 6 in die Messe, mache danach mein Handy wieder an.

Das war ein erinnerungswürdiger Tag: Ich habe Santiago wirklich erreicht, die Compostela erhalten, den Jakobus umarmt, mich von der Kathedrale und der Stadt beeindrucken lassen, zum 1. Mal seit langer Zeit im Café gesessen und viele Mitpilger wieder getroffen. Morgen werde ich einen Besichtigungs- und Ruhetag einlegen. Gute Nacht!

05.05.2010 

Habe heute einen ganz ruhigen Tag gehabt, aber einen sehr interessanten: War in der Pilgermesse, leider ohne Weihrauchfass, dann bei den deutsch-sprachigen Pilgern, mit ihnen zusammen bei einer sehr informativen Führung rund um die Kathedrale, dann noch im Museum. Jetzt genieße ich mein Essen, gehe danach ins Bett.

06.05.2010 

Hatte wieder einen tollen Wandertag: Das Wetter hat regelrecht aufgefordert, zum Meer los zu gehen. Der Weg war sehr schon: Meist auf Wald- oder Wiesenwegen, oft bergauf und bergab. Die Landschaft sehr ansprechend und Ponte Maceira ein bezaubernder Ort. Bin in einer ganz neuen Herberge, noch ganz allein! Super! In Logrosa bei Negreira.

07.05.2010

Meine Etappe war länger und anstrengender als ich gedacht habe. Sie war ziemlich anstrengend: Immer bergauf und bergab. Morgens nur Wald- und Hohlwege, einer ansprechender als der andere; oft angenehme Düfte; nachmittags auf Hochebene mehr Feldwege und Landstraße, mit reizvollen Aus- und Fernblicken; meist landwirtschaftlicher Geruch! Hatte mich verrechnet: Aus 25 wurden 35 km. Dafür habe ich mich jetzt mit einem Hotel belohnt. War glücklich und dankbar, dass mein Zimmer eine Badewanne hatte! Habe ausgiebig gebadet, war schön. Ich bin übrigens in A Picota im Hotel Casa Jurjo. Gehe jetzt nur noch essen und dann ins Bett.

08.05.2010

Heute war die Etappe auch sehr schön: Es ging noch mal durch die Berge und über ein Hochplateau, fast ausschließlich mit Kiefern und herrlich blühendem Ginster bewachsen. Habe stundenlang keinen Menschen gesehen; oft absolute Stille. Der weiche Waldboden tat den Füßen gut. Es war ein bewegender Moment, als ich das Meer erblickte. Bin in Cee im Hostal Galicia.

09.05.2010

Ich bin gerade in Finisterre angekommen und kann es noch nicht fassen. Etwa 800 km Fußmarsch liegen hinter mir. Ich empfinde etwas Stolz, große Freude und noch mehr Dankbarkeit. Die Strecke war schön, aber das Wetter nicht: Kalt, stürmisch und viel Regen.

10.05.2010

Habe eben hoch über Finisterre gesessen: Wunderbar; sitze jetzt am westlichsten Kreuz von Europa: Unglaublich. Ich bin glücklich, dass ich diesen weiten Weg gehen durfte und konnte.

11.05.2010

Heute die Etappe war Genusswandern pur: Durch Wiesen, Felder, dichte grüne Wälder und immer wieder Ausblicke auf das grün-türkise-blaue Meer, Felsen, an denen sich die Wellen brechen, Buchten mit hellem Sandstrand. Brauchte mich nicht zu beeilen, konnte öfter verweilen und den Blick genießen. Auch die Unterkunft passt zu dem fantastischen Tag. Bin in Lires, im Casa Lourido.

12.05.2010

Habe eben in strömendem Regen Muxia erreicht. Ist schon ein komisches Gefühl, jetzt am Ende des Weges angekommen zu sein. Ab jetzt gibt es nur noch Spaziergänge. Ein wenig Wehmut ist schon da. Die letzte Etappe war landschaftlich wieder reizvoll. Bin lange Zeit mit zwei Damen gegangen, mit denen ich jetzt in einer Art Ferienhaus wohne.

13.05.2010

Habe heute lange in der Sonne auf dem Monte Corpiño gesessen, auf das Meer links und rechts gesehen, nur Vögel, Wind und Wellen gehört. Abends gab es eine Marien-Prozession mit Messe in Virxe da Barca: Sehr ergreifend. Einen passenderen Abschluss meines Pilgerweges hätte es nicht geben können.

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