LebensWert | Tagebuch | Jakobsweg 2010
von Christian Djurkic (Bachelor-Student der Deutschen Sporthochschule in Köln und Mitarbeiter an diesem wissenschaftlichen Projekt)
Am 06. April holen wir 17 motivierte und bestens ausgerüstete Damen am Flughafen in Bilbao ab, um sie auf ihren ersten Stunden und Etappen, während ihrer langen Riese des Jakobsweges von Saint Jean Pie de Port bis Santiago de Compostela, zu begleiten. Sie sind die erste von zwei Gruppen, die zweite folgt in wenigen Tagen.
Wir fahren mit dem von uns eigens organisierten Bus vom Flughafen in Bilbao direkt zu unserer ersten Unterkunft, ein kleines Hotel in der Französischen Grenzstadt Bayonne. Dort verbringen wir die erste Nacht in zweier oder dreier Zimmern.
Am Morgen des 07. April begeben wir uns dann endlich auf den Weg zu unserem offiziellen Startpunkt, nach Saint Jean Pie de Port. Wir fahren nicht wie geplant um 08:00 Uhr am Bahnhof in Bayonne los, sondern erst gegen 12:00 Uhr. Dafür haben wir noch Zeit der schönen Altstadt von Bayonne einen kleinen Besuch abzustatten, was alle Teilnehmerinnen begrüßen.
In Saint Jean angekommen, holen wir uns noch die letzten Infos für unsere bevorstehende Pyrenäen Etappe und den ersten Stempel in unseren Pilgerpass. Unsere erste Etappe führt uns über ca. 550 Höhenmeter und ca. 8 km Wegstrecke bis nach Orisson. Angestrengt und etwas geschafft erleben wir gemeinsam in unserer großen Runde ein schönes Abendessen und eine erholsame Nacht.
Am Morgen des 08. April präparieren wir uns alle für die erste lange Etappe über die Pyrenäen. Heute soll es von Orisson bis nach Roncesvalles gehen. Eine Strecke von 18km die es aber auf Grund des Auf- und Abstieges in sich hat. Nach einem Gruppenfoto im Nebel geht es endlich los.

Unsere erste Nacht in einem großen Schlafsaal steht uns bevor. In Roncesvalles schlafen wir immer noch in der großen Gruppe beisammen, in einem 120 Betten Schlafsaal. Diese Nacht wird sicherlich nicht so schnell in Vergessenheit geraten, wir machen die ersten Bekanntschaften mit sehr stark schnarchenden Personen…;-)

Der 09. April. Über Zubiri wandern viele, aber längst nicht alle Mitglieder der Gruppe nach Larrasoana. Die meisten reservieren sich vorab eine Herberge in Zubiri und übernachten auch dort. Bei Erreichen der Stadt Zubiri erfreuen sich alle erst am Anblick des Flusses bei der Brückenüberquerung und danach an der Erfrischung der Füße im kalten Nass.

Am nächsten Tag gehen wir (mittlerweile nur noch Elke, Janine, Milena und Christian) die ca. 15,6 km lange Strecke von Larrasoana nach Pamplona (die größte Stadt während des Jakobsweges). In der von deutschen „Hospitaleros“ geführten Herberge der Paderborner Jakobusbruderschaft beziehen wir ein sehr schönes und vor allem ruhiges 4 Bett-Zimmer. Wir schauen uns die Stadt an, kaufen Obst im Supermarkt und freuen uns am Abend über die ausgelassene Stimmung in der Stadt. In der Nacht hören wir das schnarchen nur durch die Wände aus den Nachbarzimmern…;-)

Am Sonntag den 11. April geht es von Pamplona über Obanos bis nach Puente la Reina. Die angegebenen 27,5 km kommen uns allerdings reichlich „spanisch“ vor. Sie kommt allen beteiligten bedeutend länger vor. Vielleicht ist das auch auf die eintretende Erschöpfung in den letzten Tagen zurückzuführen.
In Puente la Reina quartieren wir uns in der neuen Herberge „Santiago Apostol“ ein. In einer 300 Betten Herberge, die offensichtlich für den Pilgeransturm in diesem heiligen Jahr renoviert wurde, können wir uns ein Zimmer aussuchen. Wir schlafen in einem 12 Bett-Zimmer und freuen uns über den reichlich vorhandenen Platzangebot.

Heute Morgen lassen wir uns beim Aufbruch in Puente la Reina etwas mehr Zeit als gewöhnlich. Erst gegen 08:30 machen wir uns auf den Weg nach Estella. Vor uns liegt eine ca. 20 km lange Strecke.
Es ist windig und sonnig, ideales Wetter um seinen Gedanken nachhängen zu können.
Viele Gruppenmitglieder finden sich in der dortigen katholischen Herberge wieder zusammen, es ist möglich auf Spendenbasis zu schlafen und zu essen. Der Abend mit den vertretenen Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen (Spanien, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Mexico, Dänemark und Brasilien) ist sehr multikulturell und lustig. Gerade die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Charakteren machen diesen Weg so besonders.

Am Morgen des 13. April begeben wir uns auf eine lange und kraftraubende 31 km lange Etappe bis nach Torres del Rio. Die Ausschilderung der Kilometer macht uns erneut etwas stutzig. ;-) Wir werden jedoch mit einer Strecke in schöner Natur entschädigt. In Torres del Rio kommen wir in der Herberge MARI unter.

Mit etwas Wehmut begebe ich mich am Morgen des 14. April auf meine letzte ca. 21 km lange Etappe nach Logrono.
Nach einer abenteuerlichen Einweisung in unsere Zimmer in einer Städtischen Herberge entscheiden sich viele von uns das Quartier zu wechseln. Mit uns verlassen ca. 10 andere Menschen sehr aufgebracht die Städtische Herberge, besonders mit einigen Spaniern geht das Temperament beim verlassen der Herberge durch – zu Recht wie ich finde…in unserer neuen Herberge fühlen sich alle bedeutend wohler und auch der Umgangston wird direkt freundlicher. Die ersten Nationen übergreifenden Hilfsaktionen bei der Wundversorgung der Füße laufen an, auch ohne Verständigung…;-)

Am nächsten Morgen bleibt mir nichts anderes übrig als meinen beiden Mitstreiterinnen Janine und Milena auf Wiedersehen zu sagen und ihnen einen „Buen Camino“ zu wünschen. Gerne würde ich weiter gehen. Hoffentlich ein anderes mal…
Nichts ahnend vom Vulkanchaos im Flugverkehr in ganz Europa, begebe ich mich auf den ersten Teil meiner Rückreise…es folgt das zweite große Abenteuer in kurzer Zeit! ;-)




